Leibniz-Forschungsverbund
Krisen einer globalisierten Welt

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Globalisierung in der Krise - Die Rolle globaler Wertschöpfungsketten

In der öffentlichen Debatte wird die Zunahme der Internationalisierung wirtschaftlicher Aktivitäten zunehmend kritisch beäugt. Der Wandel in den Einschätzungen ist unter anderem auf wachsende Ängste in Teilen der Bevölkerung hinsichtlich der Kosten und Nutzen der Globalisierung zurückzuführen. In den letzten Jahrzehnten kam es zu einem raschen Ausbau der internationalen Arbeitsteilung. Verbesserte Transport-, Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, der Abbau von Handel- und Investitionsbarrieren sowie die Integration von großen Schwellenländern in die Weltwirtschaft haben die Produktionsaktivitäten fragmentiert und durch die damit verbundenen Spezialisierungsgewinne zu niedrigeren Produktionskosten und Güterpreisen beigetragen. Der internationale Handel expandiert in einem viel höheren Tempo als Gesamtproduktion, insbesondere bei den Zwischenerzeugnissen. Die Veränderungen in der internationalen Arbeitsteilung können die Einkommensungleichheit in den westlichen Volkswirtschaften verschärfen, beispielsweise, weil die Spielräume für Lohnerhöhungen in vielen Bereichen immer enger werden.

Globalisierungsängste haben zum Wahlausgang in den Vereinigten Staaten und der Brexit-Entscheidung im Vereinigten Königreich maßgeblich beigetragen. Der Aufstieg national ausgerichteter Parteien ist in vielen Ländern beobachtbar. Die weitere Europäische Integration wird dadurch in Frage gestellt. Die Idee, dass offene Märkte und freier Handel Wohlstand und Sicherheit fördern, verliert immer mehr an politischer Unterstützung. Stattdessen sind protektionistische Handelspraktiken auf dem Vormarsch, die zu einem niedrigeren Wirtschaftswachstum auf globaler Ebene führen können. Rückläufige Exporte sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Durch die Auslagerung einzelner Produktionsschritte nimmt die inländische Komponente der Exporte ab. Zur Beurteilung des Gesamteffektes sollte sich die Analyse nicht nur auf Endprodukte, sondern auch auf Zwischenprodukte stützen. Im Projekt untersuchen wir die wirtschaftlichen Auswirkungen der Globalisierung, indem wir einen wesentlichen Aspekt des Geschehens beleuchten, nämlich die Herausbildung von globalen Wertschöpfungsketten und ihre Relevanz für die wirtschaftliche Entwicklung. Die Analyse verwendet globale Input-Output Tabellen, in denen die nationale und internationale Verflechtung der Sektoren sichtbar wird. Daraus wird ein sektoraler Integrationsindex abgeleitet, der in einem Panelmodell zur Erklärung von Produktivität und Löhnen herangezogen wird.

 

Beteiligte Institute

DIW: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin

IWH: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle

 

Publikationen

Hoffmann M; Holtemöller O (2010): Transmission of Nominal Exchange Rate Changes to Export Prices and Trade Flows and Implications for Exchange Rate Policy, Scandinavian Journal of Economics 112, 127-161.

Holtemöller O; Zeddies G (2013): Has the Euro Increased International Price Elasticities? Empirica 40, 197-214.

    Ansprechpartner der Projektgruppe "Global Value Chains"


    Projektlaufzeit

    04/2017 - 12/2017