Leibniz-Forschungsverbund
Krisen einer globalisierten Welt

© Marcus Winter

Bilder und Sprachen von Krise, Not und Gewalt. Das östliche Europa nach 1918 in medialen Repräsentationen

Vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende – und begannen seine krisenhaften Konsequenzen. Insbesondere im östlichen Europa, wo die staatlichen Grenzen neu gezogenen wurden und die Oktoberrevolution ausstrahlte, waren die ersten Nachkriegsjahre durch umfassende Not, durch Gewalt sowie umfassende soziale und politische Verwerfungen gekennzeichnet. Unser Projekt fragt nach den längerfristigen Folgen der tiefen und mehrfachen Nachkriegskrise in der historischen Entwicklung Ost- und Südosteuropas.

Im Zentrum des Interesses steht dabei die Medialisierung von Umbruchs- und Krisenerfahrungen: Repräsentationen rahmten und interpretierten Krisen, waren also zentral für deren Politisierung ebenso wie Memorialisierung. Das östliche Europe wurde dabei in der Nach- und Zwischenkriegszeit nicht nur zu einem Experimentierfeld neuer transnationaler politischer Interventionen, sondern auch neuartiger Repräsentationsformen von Krise, welche wirkmächtige Bildsprachen produzierten. Der Nachkrieg wurde somit zum lokalen, ebenso wie nationalen und transnationalen Medienereignis. Die internationale humanitäre Fotografie wären ein bekanntes Beispiel für mediale Innovation, ebenso die Nutzung von (bewegten und unbewegten) Bildern in der Propaganda der Bolschewiki sowie der Gegenpropaganda ihrer Gegner. Wir fragen nach den Semantiken und Techniken dieser Bilder und Sprachen von Krise und in wie weit diese in vorhergehenden imperialen Diskurspraktiken wurzelten. Schließlich prägten die zeitgenössischen Repräsentationen die kontroversen Erinnerungen an den Nachkrieg.

Unser Projekt fokussiert zwei Zeitschichten: die unmittelbare Nachkriegskrise einerseits, die Zeit der Weltwirtschaftskrise andererseits. Dazu werden zwei Tagungen (eine in Regensburg im Oktober 2018) und eine in Marburg (im Mai 2019) stattfinden. Die Ergebnisse sollen international publiziert werden.

 

Beteiligte Institute:

IOS: Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung

HI: Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung

    Ansprechpartner der Projektgruppe "Bilder & Sprachen von Krise"

    Prof. Dr. Ulf Brunnbauer (IOS)

    Email

    Projektlaufzeit

    Frühjahr 2018 -