Leibniz-Forschungsverbund
Krisen einer globalisierten Welt

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Transmission geldpolitischer Schocks in einer global vernetzten Welt

Die weltweite Finanzkrise hat den Grad der globalen Vernetzung und die großen Ansteckungsgefahren in Krisenzeiten über nationale Grenzen hinweg überdeutlich vor Augen geführt. Die Maßnahmen der Zentralbanken nach dem Ausbruch der Krise haben aufgezeigt, welche wichtige internationale Rolle Zentralbankpolitik insbesondere in Krisenzeiten zur Stabilisierung von Finanzmärkten spielt. Im vorliegenden Projekt soll das Ausmaß der internationalen Transmission von geldpolitischen Schocks empirisch untersucht werden. Damit wird ein Beitrag zu unterschiedlichen Debatten geleistet. Der positive Teil der Analyse liefert eine genauere Bestimmung der Effekte geldpolitischer Schocks. Neuere Forschungsergebnisse legen nahe, dass eine internationale Perspektive für die Bestimmung der Effekte von Bedeutung ist. Eine exakte Identifikation ist wiederum notwendig, um eine Basis für die normative Diskussion zweier Fragestellungen zu haben: Erstens ist sie für die Frage wichtig, ob Zentralbanken in der Lage waren und sind, ihre jeweiligen politisch vorgegebenen Ziele zu erreichen. Zweitens stößt die Analyse der internationalen Transmission von Zentralbankschocks eine Debatte darüber an, ob Zentralbanken zusätzlich zu rein nationalen Zielen (wie der Kontrolle der heimischen Inflationsrate) auch internationale Effekte ihrer Politik berücksichtigen und antizipieren sollten. Diese Fragen sind gerade dann von Bedeutung, wenn es um die Eindämmung der internationalen Ausbreitung von Finanzkrisen und die Begrenzung der ökonomischen und sozialen Kosten von weltweiten Wirtschaftskrisen geht.

Die aktuelle empirische Forschung identifiziert geldpolitische Schocks mit Hilfe von Vektorautoregressiven Modellen (VAR) unter Verwendung der Änderung von forward rates in den Minuten um Ankündigungen von Zentralbanken. Die Grundlage dieser Identifikationsstrategie ist, dass forward rates alle Erwartungen über Änderungen der Zentralbankpolitik bis zum Ende der Laufzeit abbilden. Wenn es in einem engen Zeitfenster um eine Ankündigung der Zentralbank zu einer Änderung der forward rates kommt, so ist der Grund dafür in einem unerwarteten Element der Ankündigung zu suchen – einem geldpolitischen Schock also. Allerdings ignoriert die aktuelle Forschung weitestgehend die erwähnte internationale Perspektive und kommt damit potenziell zu verzerrten Ergebnissen. In unserer Arbeit werden wir deswegen ein Panel VAR verwenden, das in einem Modell zahlreiche makroökonomische Variablen über mehrere Länder hinweg kombiniert. Ein solches Mehrländer-Modell erlaubt eine unverzerrte Abbildung internationaler Schock-Transmissionen. Wir schätzen dieses Panel VAR mit Daten aus den USA, der Eurozone und Großbritannien. Dabei identifizieren wir die geldpolitischen Schocks der drei Zentralbanken sowie deren realökonomische Effekte mit Hilfe der oben beschriebenen Instrumente.

 

Beteiligte Institute

DIW: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin

IWH: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle

    Ansprechpartner der Projektgruppe "Transmission geldpolitischer Schocks"


    Projektlaufzeit

    05/2017 - 05/2018