Innerhalb des Leibniz-Forschungsverbundes »Krisen einer globalisierten Welt« gibt es derzeit fünf Arbeitsgruppen. Vier der fünf Arbeitsgrupen befassen sich mit thematischen Zugängen zu Krisen – mit wirtschaftlichen Krisen, Umweltkrisen, humanitären Krisen und sozio-politischen Krisen. Eine weitere Arbeitsgruppe, Konzepte von Krisen, ist der Erforschung von übergreifenden theoretischen Fragen gewidmet.

Konzepte von Krisen

Die theoriegeleitete Arbeitsgruppe zu Konzepten von Krisen erarbeitet den aktuellen Forschungsstand in unterschiedlichen Feldern der Krisenforschung. Unter anderem fragt die Gruppe danach, was eine Krise konstituiert, welche Theorien beim Erfassen und Verstehen von Krisen nützlich sind und wie Krisen sich definieren und vergleichen lassen. Die Gruppe hat eine Heuristik erstellt, die dem Verbund dabei hilft, die Verwendung von ‚Krise‘ in den themenbasierten Arbeitsgruppen des Forschungsverbundes zu reflektieren.

Wirtschaftskrisen

Wirtschafts- und Finanzkrisen werden als grundlegende Fehlfunktionen moderner kapitalistischer Ökonomien wahrgenommen. In Wirtschafts- und Finanzkrisen werden plötzliche Ungleichgewichte erzeugt, die weitreichende und schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. Instabilitäten des ökonomischen Systems stellen die Verteilung von Wohlstand und damit auch das Funktionieren von Gesellschaften in Frage. Geeignete Instrumente können die Qualität der Prognose verbessern, was für rechtzeitige wirtschaftspolitische Reaktionen unerlässlich ist. Es ist jedoch unverzichtbar, über eine reine ökonomische Interpretation hinaus zu gehen und gesellschaftliche Entwicklungen und Überzeugungen zu reflektieren, die ökonomische Krisen auslösen, formen oder von ihnen beeinflusst werden.

Umweltkrisen

Umweltkrisen stellen eine besonders schwierig zu bearbeitende Form von Krisen dar. Nicht nur sind ihre Ursachen häufig komplex und die Möglichkeiten, ihnen zu begegnen, oft begrenzt. Bei Umweltkrisen spielt die soziale Konstruktion von Krise und Lösung eine herausgehobene Rolle. Umweltkrisen ereignen sich oft über lange Zeitspannen (ein typisches Beispiel ist der Klimawandel) und häufig muss bereits lange vor dem Auftreten schädlicher Effekte, bzw. derer öffentlicher Wahrnehmung, gehandelt werden. Die Governance von Umweltkrisen erfordert die Einbeziehung von Institutionen und Akteuren aus vielen Sektoren und administrativen Ebenen. Der Forschungsverbund untersucht Umweltkrisen daher mit einem multidisziplinären Ansatz, der die Expertise aus Naturwissenschaften, Ökonomie, Raumwissenschaften und Politik zusammenbringt.

Humanitäre Krisen

Diese Arbeitsgruppe erkundet Krisen von besonderer humanitärer Schwere. Solche Krisen resultieren in  starken moralischen Handlungsimperativen. Es bleibt aber wichtig, auch hinter die unmittelbaren Bedürfnisse der jeweiligen Krise zu blicken und zu verstehen, wie die Interaktion gesellschaftlicher und politischer Mächte, ökonomische Entwicklungen und externe Ereignisse humanitäre Krisen hervorbringen. Die Arbeitsgruppe koordiniert die Zusammenarbeit jener Institute des Verbundes, die sich mit humanitären Krisen wie der Welternährungskrise oder aktuellen Migrationsentwicklungen auseinandersetzen.

Soziopolitische Krisen

Krisen können Gesellschaften polarisieren und traditionelle Strategien der Legitimitätssicherung in Frage stellen. Krisen treten nicht allein als wirtschaftliche oder ökologische Herausforderungen an die Politik auf, sondern können sich auch auf Gesellschaften und jene politischen Institutionen ausweiten, von denen erwartet wird, dass sie Krisen antizipieren bzw. bewältigen. Soziopolitische Krisen beschreiben funktionale Defizite und inadäquate Problemlösungskapazitäten. Die Arbeitsgruppe erkundet die Bedeutung von Krisen für gesellschaftliche und politische Ordnungen und fragt danach, inwieweit Krisenwahrnehmungen die gesellschaftliche Integration und das Vertrauen in politische Institutionen beeinflussen.