Crisis Talk am 1. Oktober 2019

Der 30. Jahrestag des Mauerfalls ist nicht nur eine Gelegenheit zum Gedenken an die friedliche Revolution von 1989, sondern bietet auch einen Anlass, den langfristigen Prozess der Wiedervereinigung in den Blick zu nehmen.

Die Bedeutung des Mauerfalls für den Frieden und die demokratische Freiheit in Europa ist nicht zu unterschätzen, wie Mark Weinmeister (Hessischer Staatssekretär für Europaangelegenheiten) in seiner Begrüßung in der Hessischen Landesvertretung festhielt. Zugleich bedeutet die Wiedervereinigung eine Herausforderung – politisch, ökonomisch und gesellschaftlich – deren Dimension erst rückblickend wirklich ermessen wird und die bis in die Gegenwart hinein immer wieder auch krisenhafte Züge trägt.

Der 12. Crisis Talk widmete sich daher den langfristigen Herausforderungen der Wende und diskutierte diese vor einem europäischen Horizont. Prof. Dr. Frank Bösch (Zentrum Zeithistorische Forschung, Potsdam) leistete in seinem Impulsreferat eine zeithistorische Einordnung, die die Vielschichtigkeit der Wiedervereinigung offenlegte und vor allem eine fehlende Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den Lebensleistungen der Ostdeutschen als Problem erkannte. Prof. Dr. Ruth Leiserowitz (Humboldt-Universität und Deutsches Historisches Institut Warschau) ergänzte dies in der Diskussion nicht nur um eine Perspektive auf die Entwicklungen in Osteuropa und insbesondere in Polen. Darüber hinaus gewährte sie einen beeindruckenden Einblick auch in ihre eigene berufliche Biografie, die untrennbar mit der Geschichte der DDR und dem Mauerfall verknüpft ist.

Der Crisis Talk, der gemeinsam durch die Vertretung des Landes Hessen bei der EU, dem Leibniz Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“, dem Europabüro der Leibniz Gemeinschaft und dem Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ an der Goethe Universität veranstaltet wird, würdigte den historischen Erfolg des Mauerfalls und regte zugleich ein Nachdenken auch über den andauernden Prozess der Vereinigung an.